Claude Opus 5.5 und GPT-6 Sol/Luna: was die neuen Modelle kosten und wo sie in der EU laufen
Am 22. September 2026 haben Anthropic und OpenAI am selben Tag neue Modelle veröffentlicht: Claude Opus 5.5 sowie GPT-6 Sol und GPT-6 Luna. Die Einordnung für deutsche Unternehmen nach den Angaben der Hersteller: Preise in Euro, eine Beispielrechnung für einen Kundenservice-Chatbot, und der Unterschied, der für den Datenschutz zählt. OpenAI verarbeitet auf Wunsch direkt in Europa, Anthropic nur über AWS oder Google Cloud.
Mit KI erzeugtes Bild. Mehr zur KI-TransparenzAm 22. September 2026 haben Anthropic und OpenAI am selben Tag neue Modelle herausgebracht. Anthropic stellt Claude Opus 5.5 vor, das erste Modell der Familie 5.5. OpenAI ergänzt GPT-6 um zwei günstigere Modelle, GPT-6 Sol und GPT-6 Luna.
Über die Leistung haben andere schon geschrieben, und getestet haben wir die Modelle für diesen Beitrag nicht. Alles, was hier über Leistung steht, sind Angaben der Hersteller, und wir kennzeichnen es so. Geprüft haben wir, was man an Preisliste und Dokumentation prüfen kann: was die Modelle in Euro kosten und wo sie laufen. Für ein deutsches Unternehmen ist das die Frage, die vor jeder Leistungsfrage kommt.
Offenlegung: Wir arbeiten täglich mit Claude und bieten Claude-Schulungen an. Deshalb halten wir uns bei beiden Herstellern an deren eigene Angaben.
Was die Hersteller sagen
Claude Opus 5.5 leistet laut Anthropic bei den meisten Aufgaben so viel wie Claude Fable 5.1 und kostet im Betrieb 40 Prozent weniger als Opus 5. Anthropic nennt Opus 5.5 führend beim agentischen Programmieren, bei der Bedienung von Computern und bei Wissensarbeit. Es gibt Ausgaben nach Herstellerangabe mehr als 30 Prozent schneller aus als Opus 5. Bei Prompt-Injection-Angriffen ist es laut Anthropic in jedem getesteten Szenario mindestens so widerstandsfähig wie Opus 5. Im Benchmark des Sicherheitsunternehmens Gray Swan teilt es sich mit Fable 5.1 die niedrigste Erfolgsquote für Angriffe.
Laut Datenblatt bei AWS hat Opus 5.5 ein Kontextfenster von 1 Million Token, gibt bis zu 128.000 Token aus und hat einen Wissensstand bis Juni 2026. Das Denken lässt sich in fünf Stufen einstellen, abschalten lässt es sich nicht.
Ein Satz aus der Ankündigung passt zu unserem Beitrag über die Kennzeichnungspflicht: Wie schon Fable 5.1 kommt Opus 5.5 laut Anthropic „mit unseren Wasserzeichen-Maßnahmen, um den EU AI Act einzuhalten”. Das betrifft die maschinenlesbare Markierung nach Art. 50 Abs. 2, die beim Anbieter liegt. Die sichtbare Kennzeichnung von Deepfakes bleibt Ihre Aufgabe, wenn Sie Inhalte veröffentlichen.
GPT-6 Sol und GPT-6 Luna wurden laut OpenAI mit ähnlichen Methoden trainiert wie GPT-6 Astra und bringen dessen Fortschritte in schnellere, günstigere Modelle: Fachaufgaben, Faktentreue, Programmieren, Computerbedienung. Die API-Preise liegen laut OpenAI 50 Prozent unter den Aktionspreisen von GPT-5.6. Beide stehen ab sofort in der API, in Codex und in ChatGPT für die Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bereit.
Die Preise in Euro
Umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 22. September 2026 (1 Euro = 1,1463 US-Dollar), je Million Token, Standardpreis ohne Rabatte:
| Modell | Eingabe | Ausgabe | Quelle |
|---|---|---|---|
| Claude Opus 5.5 | 3,49 € | 17,45 € | Anthropic |
| Claude Opus 5 (Vorgänger) | 4,36 € | 21,81 € | Anthropic, 20 % teurer als 5.5 |
| GPT-6 Sol | 1,74 € | 8,72 € | OpenAI |
| GPT-6 Luna | 0,09 € | 0,44 € | OpenAI |
| GPT-5.6 Sol (Vorgänger) | 3,49 € | 17,45 € | OpenAI |
| GPT-6 Astra (teuerstes GPT-6-Modell) | 8,72 € | 43,62 € | OpenAI |
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Bei OpenAI gilt für lange Eingaben ein höherer Preis: GPT-6 Sol kostet dann 4 und 15 US-Dollar statt 2 und 10. Bei Anthropic sind die 40 Prozent Ersparnis eine Angabe über den Betrieb, nicht über die Preisliste. Die Liste ist 20 Prozent günstiger, den Rest erklärt der Hersteller damit, dass Opus 5.5 für dieselbe Aufgabe weniger Token braucht. Ob das für Ihre Aufgaben stimmt, zeigt nur Ihre eigene Abrechnung.
Was das bei einem Chatbot bedeutet
Eine Beispielrechnung, damit die Zahlen greifbar werden. Ein Kundenservice-Chatbot führt im Monat 10.000 Gespräche. Jedes Gespräch schickt mit Anweisungen, Wissensauszug und Verlauf rund 4.000 Token hinein und bekommt 600 Token Antwort. Das sind im Monat 40 Millionen Token Eingabe und 6 Millionen Token Ausgabe. Wir rechnen ohne Zwischenspeicher (Caching), der die Kosten in der Praxis deutlich senkt:
| Modell | im Monat | mit EU-Verarbeitung |
|---|---|---|
| Claude Opus 5.5 | 244 € | nur über AWS oder Google Cloud, bei Google +10 % |
| Claude Opus 5 | 305 € | ebenso |
| GPT-6 Sol | 122 € | 134 € (+10 %) |
| GPT-6 Luna | 6 € | 7 € (+10 %) |
Der Abstand zwischen Luna und den großen Modellen ist der eigentliche Hinweis dieser Tabelle. Für einen Chatbot, der Öffnungszeiten, Lieferstatus und Rückgaberegeln beantwortet, braucht es selten ein Spitzenmodell. Die Frage lautet nicht „welches ist das beste Modell”, sondern „welches ist das günstigste, das unsere Fragen zuverlässig beantwortet”. Mehr dazu in unserem Beitrag, warum der Preis pro Token fast nichts über Ihre Kosten sagt.
Wo die Daten verarbeitet werden
Hier unterscheiden sich die beiden Hersteller deutlich, und das steht in keiner der beiden Ankündigungen.
OpenAI bietet für die API eine Datenverarbeitung in Europa an. Sie legen im API-Dashboard ein Projekt mit der Region Europa an, dann werden Anfragen dort verarbeitet und nicht dauerhaft gespeichert. Für GPT-6 Sol und Luna gilt das laut Preisliste nur im Standard-Modus, und neuere Modelle kosten dabei 10 Prozent mehr.
Anthropic bietet über die eigene Claude-API keine EU-Verarbeitung an. Die Dokumentation nennt für die Verarbeitung nur „global” (weltweit, Standard) und „us” (nur USA, 10 Prozent teurer). Gespeichert wird nur in den USA. Wer Opus 5.5 in der EU betreiben will, geht über einen Cloud-Anbieter:
- Amazon Bedrock führt Opus 5.5 seit dem Veröffentlichungstag mit einem
EU-Profil (
eu.anthropic.claude-opus-5-5), das laut AWS-Datenblatt die Daten in EU-Regionen hält. Frankfurt ist als Einstiegsregion dabei. Eine Verarbeitung ausschließlich in Frankfurt bietet AWS für Opus 5.5 nicht an, das Profil verteilt innerhalb der EU. - Google Cloud bietet laut Anthropic-Dokumentation für Opus 5.5 den Mehrregionen-Endpunkt „eu” an, der innerhalb der EU verteilt. Er kostet 10 Prozent mehr als der weltweite Endpunkt. Einzelne Regionen wie Frankfurt gibt es bei Google für die neuen Claude-Modelle nicht.
Ein Stolperstein bei Bedrock: Wählen Sie die Modellkennung mit dem Präfix eu..
Die Beispiele im Datenblatt nutzen global., und damit darf die Anfrage weltweit
laufen. Die Kennung im Code ist in diesem Fall eine Datenschutzentscheidung.
Ob ein Anbieter mit EU-Verarbeitung damit schon DSGVO-konform eingesetzt werden kann, hängt an mehr als dem Serverstandort, etwa am Vertrag zur Auftragsverarbeitung und am Zugriff aus den USA. Das haben wir in Schrems II 2026 und AVV mit AI-Anbietern ausgeführt.
Was wir raten
Wer Opus 5 über die API nutzt, bekommt nach Herstellerangabe mehr Leistung zum niedrigeren Listenpreis. Technisch ist der Wechsel meist eine Änderung der Modellkennung. Prüfen Sie ihn trotzdem an zwanzig, dreißig echten Anfragen aus Ihrem Betrieb, bevor Sie umstellen. Ein neues Modell antwortet anders, auch wenn es besser ist, und ein Chatbot, der plötzlich länger oder förmlicher antwortet, fällt Kunden auf.
Wer mit GPT-5.6 Sol arbeitet, zahlt für GPT-6 Sol laut Preisliste die Hälfte. Auch hier gilt: erst an eigenen Beispielen prüfen.
Wer neu anfängt, sollte die Frage umdrehen. Nicht mit dem stärksten Modell beginnen, sondern mit dem günstigsten, das die Aufgabe schafft, und erst dann nach oben gehen, wenn es nicht reicht. Und die Frage, wo die Daten verarbeitet werden, gehört an den Anfang, nicht ans Ende. Sie entscheidet bei Claude über den Zugangsweg und bei OpenAI über den Preis.
Wenn Sie das für Ihre Anwendung durchrechnen wollen, gehört das zu unserem AI-Readiness-Audit. Welches Claude-Modell für welchen Zweck passt, steht in unserer Übersicht der Claude-Modelle, für OpenAI in der Übersicht der GPT-Modelle.
Stand: 22. September 2026. Quellen: Ankündigung Claude Opus 5.5, AWS-Datenblatt Opus 5.5, Claude-Dokumentation zur Datenresidenz, Ankündigung GPT-6 Sol und Luna, OpenAI-Preisliste, EZB-Referenzkurs vom 22.09.2026. Leistungsangaben sind Herstellerangaben, von uns nicht nachgemessen.
Häufige Fragen
- Was kostet Claude Opus 5.5?
- Laut Anthropic 4 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 20 US-Dollar je Million Ausgabe-Token, zum EZB-Kurs vom 22. September 2026 rund 3,49 und 17,45 Euro. Das sind 20 Prozent weniger als bei Opus 5. Gelesene Cache-Token kosten 0,20 US-Dollar je Million. Anthropic gibt an, dass Opus 5.5 bei typischen Aufgaben insgesamt 40 Prozent günstiger läuft als Opus 5, weil es zusätzlich weniger Token verbraucht.
- Was kosten GPT-6 Sol und GPT-6 Luna?
- Laut OpenAI-Preisliste kostet GPT-6 Sol 2 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 10 US-Dollar je Million Ausgabe-Token, GPT-6 Luna 0,10 und 0,50 US-Dollar. Bei langen Eingaben gilt ein höherer Preis (Sol 4 und 15 US-Dollar). Wer die Verarbeitung in Europa wählt, zahlt 10 Prozent Aufschlag.
- Kann ich Claude Opus 5.5 in der EU betreiben?
- Nicht über die Claude-API direkt. Dort gibt es für die Verarbeitung laut Dokumentation nur die Optionen „global“ und „us“, und Daten werden nur in den USA gespeichert. In der EU läuft Opus 5.5 über Amazon Bedrock mit dem EU-Inferenzprofil, das die Daten in EU-Regionen hält, darunter Frankfurt, oder über Google Cloud mit der Region „eu“.
- Kann ich GPT-6 Sol in der EU betreiben?
- Ja. OpenAI bietet für die API eine Datenverarbeitung in Europa an: ein Projekt im API-Dashboard mit der Region Europa, dann werden Anfragen dort verarbeitet und nicht gespeichert. Für GPT-6 Sol und Luna gilt das laut OpenAI nur im Standard-Modus, und die Verarbeitung kostet 10 Prozent mehr.
- Sollten wir von Opus 5 auf Opus 5.5 wechseln?
- Wer Opus 5 über die API nutzt, bekommt nach Herstellerangabe mehr Leistung zu einem niedrigeren Listenpreis. Der Wechsel ist meist eine Änderung der Modellkennung. Vorher sollten Sie ihn mit den eigenen Beispielen prüfen, denn ein neues Modell antwortet anders, auch wenn es besser ist. Wer auf Bedrock arbeitet, muss die Modellkennung mit dem EU-Präfix wählen, sonst läuft die Anfrage möglicherweise weltweit.